Lieber Leser
Die Faszination der Seifenblase – als Symbol für schillernde Wünsche und Zukunftsträume – hat in meinem Leben Spuren hinterlassen. Wenn ich zurückblicke, sehe ich, wie oft ich diesen Träumen nachgejagt bin und wie sehr sie mein Handeln im Jetzt beeinflusst, ja oft auch manipuliert haben.
Diese Träume haben mein Heute zwar aufregend gemacht, aber doch nicht gehalten, was ich mir erhofft hatte. Viele Momente der Gegenwart habe ich nicht so wertgeschätzt, wie sie es verdient gehabt hätten, weil mein Kopf bereits in der schillernden Vorstellung der nächsten „Seifenblase“ gefangen war.
Kennst du diese seifigen Ziele auch – die, die nur den glänzenden Aspekt betrachten?
Was passiert, wenn wir die Seifenblase „entseifen“?
Ich habe mir die Frage gestellt: Was wäre, wenn ich die Seifenblase entseife?
Wenn ich mir von vornherein bewusst mache, dass sie nur eine Illusion ist und meinen Blick gezielt auf die realistischen Aspekte lenke?
Die Antwort ist ernüchternd: Ohne Seife bleibt nur Wasser.
Die nackte Wahrheit. Das Wasser allein kann keine Form halten; der Wunschtraum kollabiert zu einem schlichten, ehrlichen Tropfen.
Mein Für und Wider
Natürlich würde eine entseifte Vorstellung sofort ihren Zauber verlieren. Aber genau diese Seife ist es, die die Blase fliegen lässt. Sie gibt uns die Energie, überhaupt erst loszulegen. Das gedankliche „Baden“ in der Vision ist ein Genuss – und auch wenn die Erwartung am Ende enttäuscht wird, so war das Gefühl währenddessen dennoch real. Ein Leben ohne diese Vorstellungen wäre flach und rein funktional. Man tauscht den Schmerz des Zerplatzens lediglich gegen die Leere der Nüchternheit.
Der Preis der Illusion
Und doch blendet diese Blase. Wir laufen einem bezaubernden Ziel hinterher, das uns Zeit, Energie und den Blick für das Heute raubt.
Wir investieren Herzblut in ein leeres, schillerndes Nichts. Dabei verpassen wir das echte Glück, weil es nicht so bunt funkelt wie die dünne Wand der Seifenblase.
Es ist, als würden wir uns Glücksgefühle aus einer Zukunft leihen, die vielleicht nie eintritt. Wenn die Blase platzt, müssen wir diesen „Kredit“ mit Zinsen in Form von Enttäuschung zurückzahlen. Unter diesem Blickwinkel sehne ich mich nach der Realität zurück. Ich möchte mich nicht mehr wegträumen, während meine Hände den „grauen Stein“ meines Lebens bearbeiten.
Der Perspektivwechsel: Vom grauen Stein zum Rohdiamanten
Doch was wäre, wenn wir Realität und Seifenblase zusammenführen könnten?
Wenn wir den „Stein des Lebens“ und die „Seifenblase der Erwartung“ vereinen?
Dazu braucht es einen Perspektivsprung:
den Glauben an den Schatz im Hier und Jetzt. Nur wenn wir glauben, dass das, was in unserer Hand liegt, bedeutsam ist, sind wir bereit, unsere Seifenblase fliegen zu lassen. Wir gewinnen die Motivation für unser Leben zurück, die uns sonst durch die Seifenblase geraubt wurde.
Wenn wir unseren Blick auf den Stein in unserer Hand richten – mit dem Verständnis, dass er kostbar ist-, verwandelt unser Fokus das Leben in einen Diamanten.
Wenn du den Diamant in deinem Leben entdeckst, brauchst du die Seife nicht mehr zum Träumen.
Den Alltag schleifen
Betrachtest du das Hier und Jetzt als Rohdiamanten, investierst du deine Kraft in bleibende Substanz. Es liegt an dir, das Potenzial seines Glanzes zum Vorschein zu bringen.
Ich möchte mein Leben wie einen Rohdiamanten betrachten. Ich möchte meine Hingabe, meine Begabung und meinen Eifer in jeden Bereich meines „Hier und Jetzt“ investieren. Ich will in der Schönheit dessen baden, was ich heute empfange: in einem freundlichen Wort, im Blick meines Gegenübers, in der Zufriedenheit im Alltag und im Lachen meiner Kinder.
Lassen wir die Seifenblase fliegen, aber bauen wir unser Haus auf das, was wirklich Bestand hat.
Ein wunderbarer Ratgeber dazu findet sich schon in der Bergpredigt:
„Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage habe.„
Matthäus 6,34
Indem wir das „Morgen“ loslassen, gewinnen wir die Freiheit, das „Heute“ zum Leuchten zu bringen.


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